Dienstag, 25. Juni 2013

[Bookreview] Mark Dunn- Nollops Vermächtnis





Die Insel der verbotenen Buchstaben

Für die Bewohner einer kleinen Insel ist Nollops Vermächtnis der Schlüssel zur Sprache und zur Welt. Ein Pangramm ist an seinem Denkmal angebracht: ein Satz, der alle Buchstaben des Alphabets enthält. Als eines Tages das "Z" vom Sockel fällt, stellt der Hohe Inselrat dessen Verwendung in Wort und Schrift unter Todesstrafe. Es fallen immer mehr Lettern und die heile Welt der Menschen auf dem friedlichen Eiland verwandelt sich in eine totalitäre Hölle.

Shortcut Story: Die Geschichte spielt auf einer imaginären Insel im nordamerikanischen Gewässer vor South Carolina, dessen Bewohner Nevin Nollop verehren, der das bereits hochgestochene Bildungsniveau der Nollopianer durch die Erfindung eines Pangramms aufpolierte. Seitdem ist Nollop auch nach seinem Tode Gesetz auf der Insel, doch als die Buchstaben fallen, verfallen auch die Bewohner in Aberglauben und Machtgier. Durch Verbote von einzelnen Buchstaben durch den Inselrat wird die Sprache der Bewohner immer weiter eingechränkt, bis ein Totalitäres Regime die Bürger vollends beherrscht. Das Geschehen wird in Briefwechseln erzählt und verzichtet auch komplett auf die Buchstaben, die mit der Zeit verboten werden und man erfährt so einzelne Schiksale, mutige Heldengeschichten usw bis zum endgültigen Kollaps, als die Sprache endgültig zu erliegen droht und die Menschen mit Todesstrafen bei Verstößen bedroht werden.

Meine Meinung: ein sehr abstraktes Buch mit einem sehr fiktiven Hintergrund, aber einer sehr eindringlichen Botschaft.  Die Sprache ist des Menschen höchstes Gut und kann und darf nicht verboten, zerstückelt oder limitiert werden. Ich fand es teilweise recht schwer durch dieses Buch mich durchzulesen, auf der anderen Seite fand ich es unheimlich spannend, was den Bürgern noch alles aufgebürdet wurde. Ausserdem brilliert jede Seite mit einem unheimlich intelektuellen Wortwitz, vorallem mit voranschreitender Zeit, wenn Buchstaben limitiert sind. Ich fand es sehr lesenswert, aber keine leichte Kost, denn die Moral, die hier beschrieben und versteckt ist, ist so vielfältig und wichtig. Es wird nicht erwähnt, aber als Leser zieht man sofort Zusammenhänge zu dem 3. Reich. Geheimer Widerstand, heimliche Wahrung des Kulturgutes, Diktatur, Verrat und Niedergang und alles wegen einer Sache, die gut gemeint war, aber falsch durchgezogen wurde. Ich bezweifle, dass ich sämtliche Lehren aus dieser Geschichte interpretiert und gefunden habe, aber ich fand die Geschichte als solches auch sehr unterhaltsam. Insgesamt ein Werk für Leute, die Spaß an Sprache habe und eine Empfehlung als Schullektüre, eventuell für den Sozialkundeunterricht.

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