Sonntag, 3. November 2013

[Persönliches] My heart skipped a beat.

Bloggen macht Spaß, Beauty bloggen macht schön. Für manch einen ist sein Blog nur ein Hobby, ein digitales Medium um sich seine Zeit mit dem zu vertreiben, was einem Spaß macht, für den anderen ist sein Blog sein Baby, sein eigenes großes Projekt, in das man Alles steckt. Doch wie so oft, wenn einem etwas viel bedeutet und Spaß macht, gibt es immer wieder Dinge, die einschneidend sind und die einen nicht weitermachen lassen können, wie bisher. Die Gesundheit z.B. ein kostbares Gut, das man selbst gerne vernachlässigt, da man ja selbst die Verantwortung für sich hat und schon die Notbremse ziehen kann, wenn man merkt, dass man sich nichts Gutes tut. Doch trifft es den eigenen Partner, steht man hilflos da, kann nur zusehen und versuchen zu helfen und dann doch zu merken, wie machtlos man ist.

Ich hatte am 11.9. so etwas, wie meinen eigenen 11.September. Es ist eine lange Geschichte, aber ich möchte sie gerne hier ein wenig erläutern und meine Schatulle als Tagebuch benutzen und euch erklären, warum ich in letzter Zeit offline war.

Zur Vorgeschichte: Mein Freund ist um einiges älter als ich, aber noch lange in keinem Alter, in dem man gewisse Krankheiten halt bekommt. Vor 13 Jahren hat er schon den Krebs besiegt und weiß ansich auch auf seinen Körper zu hören, auch wenn er gerne unvernünftig ist. Ich selbst bin aktuell in der Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, dh. Arzthelferin. Er arbeit oft und viel körperlich, hat im vergangenen Sommer in der fußballfreien Zeit ein Stadion mit umgebaut. Im Sommer fing er vermehrt an Rückenschmerzen zu bekommen, besonders im Bereich der BWS, also Brustwirbelsäule. Ich massierte die verspannten Stellen weg, aber sie kamen immer wieder, bis die Beschwerden so stark wurden, dass er daraufhin sich beim Orthopäden vorstellte, wo ich aktuell in der Radiologie arbeite. Er bekam Röntgen und MRT Untersuchungen, die ich durchführte, wo ich insgeheim bereits Panik hatte, etwas zu finden, was so nicht in einen Körper gehört (Tumor etc), aber es zeigte sich keinerlei Auffälligkeit, aber auch keinerlei Befund. Die Rückenbeschwerden wurden so stark und ausstrahlend in die Lunge, dass er an Leistungsfähigkeit verlor, ein Stechen in der Lunge fühlte etc. der Lungenarzt stellte auch nichts fest sodass er irgendwann schon starke Schmerzmedis nahm und Null Besserung sich einstellte. Nach dem Hoffest bei sich, bei dem wir beide die ganze Nacht bis morgens früh Essen verkauften, ging es ihm so schlecht, dass er sich vor Schmerzen plötzlich nur noch gegen mich stützen konnte und mir nix weiter blieb, als ihn im Arm zu haben und durch diese Art Krampf hindurch zu halten. An Schlafen war dann die Tage nicht mehr zu denken. Meine Kollegin wollte dann auf Arbeit auf Verdacht hin ein EKG machen lassen und er ließ sich für Mittwoch einen Termin geben, weil er musste/wollte ja unbedingt noch Montag und Dienstag Arbeiten. Als ich am Dienstag dann in der Schule war, schaffte er es vor Schmerzen und Luftnot kaum zur Praxis, weil die Schmerzmittel, schon fast Betäubungsmittel, keine Wirkung zeigten. Ich war zu diesem Zeitpunkt vor innerlicher Panik und Angst um ihm fast am Durchdrehen, da inzwischen die 3. Woche ohne Diagnose rum war und ich ihm nicht helfen konnte und er sah grottig aus.. Alles, was ich vermutete, in der Annahme, bereits ein wenig medizinisches Wissen angehäuft zu haben, lief ins Leere ....

11.9.:  Ich hatte Nachtdienst und fing erst gegen 14:30 auf Arbeit an, er hatte seinen Termin ein wenig früher und ich dachte, wir würden uns verpassen. Als ich auf Arbeit ankam, war die Hölle los, das reinste Chaos, die Laune bei allen Am Tiefpunkt ohne Grund und ich durfte zusehen, wie ich alleine meinen Scheiss erledigen konnte. Dann stand mein Freund auf einmal unten im Wartezimmer mit einem Gesicht wie ein Geist. Er hatte die falsche Ringbahn genommen, war sonstwo gelandet, musste umsteigen und hatte seinen Termin verpasst, und wollte mir nun tschüß sagen, weil der Termin futsch war und er nun wirkliche miese Laune hatte und überhaupt  sei das ekg ja völlig nutzlos..dass ich ebenfalls inzwischen aufs Herz tippte, hatte ich ihm bis dato verschwiegen, aber ich denke, er hat es selber vermutet inzwischen. ich wollte aber um jeden Preis verhindern, dass er wieder ewig warten musste, bis was passiert und so bugsierte ich ihn zu meiner Kollegin ins Labor und er wartete brav, während ich zusah, dass es bei mir weitergeht. Irgendwann guckte ich in seine Akte, wo zur selben Zeit ein Stockwerk über mir grad der Notarzt gerufen wurde und dann ich angerufen wurde. Das EKG zeigte einen Infarkt an, mit dem Witz an der Sache, dass es ihm grad recht gut ging, sodass er es garnicht glauben wollte. Und der Umstand, dass er sich noch stande pedes zu den Sanis begab, wollte den Notarzt auch nicht recht glauben wollen, dass er einen Infarkt hat. Er konnte mch überzeugen, dass ich nicht mitmüsse und so wartete ich während der Arbeit auf seine Nachrichten. 2h später schrieb er mir, dass er wohl gleich wieder rauskäme aus dem KH, weil die Werte ansonsten okay wären. Und dann kam nix mehr. Grauenhaft. Irgendwann dann der erlösende Anruf, dass es ihm gut ginge... er hätte jetzt nur 3 Stents intus. Diagnose: Infarkt der Hinterherzwand, ausgelöst durch 3 Gefäße,die zu 90-99% verschlossen waren. Leider die Nachboten der aggressiven Chemo.


Nachgeschichte: Es folgte eine Woche im KH für ihn, in der es ihm mal mehr mal weniger gut ging. Ausserdem gab es einen nächsten Termin, da noch mehr Gefäße betroffen waren, die auch geweitet werden mussten. In der Zeit war ich eigentlich nur am Funktionieren, weniger am Denken. Dafür bekam ich dann die Rechnung in Form von kleinen Panikattacken, Herzrasen und Schlafstörung, alles nervlich bedingt. Nicht besonders hilfreich war für mich in diesem Fall, dass wir das Thema Herz genau in dieser Zeit behandelt haben, ich achtete also noch genauer auf ihn und ggf. Alarmzeichen um schnell handeln zu können. Das machte mich noch nervöser, aber hätte im Notfall hilfreich sein können. Er war in der ganzen Zeit derjenige, der das Ganze noch am nüchternsten gesehen hat, fast schon zu locker und ein wenig leichtsinnig, aber so ist das eben mit der Unvernunft ;) Nun ist auch der zweite Eingriff überstanden und die Reha erfolgt bald. IRENA-Programm  nennt es sich,...passender könnte es nicht sein *lach (Intensive Reha-Nachsorge) Also spielt sich endlich langsam wieder der Alltag ein. Ein Restrisiko bleibt leider, durch den Chemo-Schaden an den Gefäßen, jedoch hat seine Pumpe den Infarkt ohne Folgeschäden überstanden und sich vollständig regeneriert.

My heart skipped a beat....

also passt auf eure Männer auf, stumme Infarkte sind ziemlich tückisch und zeigen sich gerne in Form von Rückenbeschwerden. Also schleppt sie lieber einmal zu viel zum Arzt. ;)

 So, nun habe ich extrem viel geschrieben, wenn sich einer die Mühe gemacht hat es durchzulesen, dann lasst mir doch einen Gruß da. Ansonsten gibt es ab sofort wieder mehr und erfreulicheres zu lesen hier :) und falls euch das fachliche hinter diesem Thema (was sind Stents zB), dann schreibt mir das bitte auch.

LG, Irena



Kommentare:

  1. Wow, echt heftig. Ich hoffe das ihr sowas nicht nochmal durchleben müsst.

    LG

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  2. Sehr bewegende Geschichte! Ich drück euch weiterhin die Daumen, dass euch sowas in Zukunft erspart bleibt! LG Sandra

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  3. Wow ich hab alles gelesen, und drücke euch die Daumen das ihr jetzt ohne Ängste in die zukunft schauen könnt Lg Conny

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  4. Na das ist gerade noch einmal gut ausgegangen. Er kann sehr froh sein, dich zu haben, das ist er sicherlich auch :) Ich drücke euch die Daumen, dass in Zukunft (und diese ist ja mit jeder Sekunde da) so etwas nicht mehr passiert.

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  5. Na meine liebe, konnte gerade beim lesen gerade richtig mitfiebern. Durch meine zahlreichen Krankenhausaufenthalte (gerade auch auf der Neurochirurgie) hab ich ja mit vielen Menschen und ihren Stents bzw Geschichten zu tun gehabt. Gesundheit ist wirklich das worauf wir alle am wenigsten achten... Leider!!!

    Panikattacken, Herzrasen usw kenne ich nur all zu gut, kann dir aber sagen das man diese sehr gut überstehen kann... Einer der Grümde warum ich irgendwann nicht mehr zu Alba konnte, viele Menschen und Enge waren da nie besonders förderlich... Heute hilf mir mein Sonnenschein solche Momente einfach durchzustehen und auch wenn ich mittlerweile wieder einen Vorfall hatte kann ich immer nur sagen das man sich und sein Leben nicht aufgeben darf...

    tst jetzt schreib ich hier schon fast soviel wie duuu... *haha*

    liebe Grüße Joy

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  6. Ach ja IRENA passt ... :) und macht auch wirklich Spaß...

    Sei gedrückt und lass den Kopf nicht hängen...

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